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Kaum ist der Sommer verklungen, kündigt sich der nächste gute Vorsatz an. Der Dry January hat seinen festen Platz im kollektiven Kalender, doch sein Pendant im Herbst ist der weitaus reizvollere Anlass: Sober October.
Eine Idee mit Vorgeschichte
Ursprünglich war der alkoholfreie Oktober eine Spendenaktion. 2010 rief die australische Organisation Life Education mit „Ocsober" dazu auf, einen Monat zu verzichten und dafür Geld zu sammeln. In Großbritannien griff Macmillan Cancer Support den Gedanken auf und machte daraus „Go Sober for October": Wer sich für einen alkoholfreien Monat sponsern ließ, unterstützte Menschen mit einer Krebserkrankung, wahlweise 14, 21 oder 31 Tage lang. Viele Millionen Pfund sind auf diese Weise zusammengekommen. Später entdeckten auch Fitness-Podcaster in den USA den Monat für sich und verliehen ihm einen völlig neuen Anstrich.
Der Ursprung lag also in der Solidarität, nicht direkt in der Selbstoptimierung.
Was sich kritisch anmerken lässt
Aus dem Spendenaufruf ist vielerorts ein Optimierungsprojekt geworden, begleitet von Schlafwerten, Trainingsdaten und sorgfältig geführten Fortschrittsprotokollen. Das ist legitim, verschiebt aber den Kern der Sache.
Auch der Begriff selbst verdient einen zweiten Blick. „Sober" klingt nach Entzug und Selbstdisziplin, nach einer Prüfung, die es zu bestehen gilt. Dieses Bild halten wir für irreführend, denn wer sich freiwillig gegen ein Getränk entscheidet, ist weder Büßer noch Held.
Bedenklicher ist der Hang zum Alles-oder-nichts. Wer am neunten Tag ein Glas Wein trinkt, ist deshalb nicht gescheitert. Schon Macmillan bietet drei Laufzeiten an, und ohnehin gilt: Eine Regel, die man sich nicht selbst gegeben hat, trägt selten über die erste Woche hinaus.
Schließlich sollte man den Monat nicht als Ablassbrief verstehen. Vier Wochen Verzicht rechtfertigen keine elf Monate Gedankenlosigkeit.
Was der Monat leisten kann
Wir sind keine Mediziner und versprechen keine Wunder. Viele Teilnehmende berichten von besserem Schlaf und mehr Energie, doch der eigentliche Gewinn liegt woanders: Man beginnt zu beobachten, wann und warum man zum Glas greift, aus Lust, aus Gewohnheit oder weil es der Anlass eben verlangt. Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn man den Autopiloten für eine Weile abschaltet.
Wie sich der Monat gestalten lässt
Die Regeln bestimmst du selbst. Vierzehn, einundzwanzig oder einunddreißig Tage, nur unter der Woche, nur außer Haus oder konsequent durchgehend: Entscheidend ist allein, dass die Entscheidung von dir stammt und nicht von einer Challenge.
Kommuniziere sie früh, insbesondere vor Einladungen, und plane die erste Woche bewusst, denn sie fällt erfahrungsgemäß am schwersten. Vor allem aber lohnt es sich, das Ritual beizubehalten. Wer sich lediglich etwas nimmt, spürt den Verlust. Wer stattdessen etwas Gutes einschenkt, bemerkt den Unterschied kaum.
Warum der Herbst der richtige Rahmen ist
Der Januar folgt auf den Exzess und trägt deshalb unweigerlich den Beigeschmack der Buße. Der Oktober dagegen liegt vor der Adventszeit, vor Betriebsfeiern und Festtagsmenüs. Er erlaubt es, den eigenen Geschmack zu sortieren, bevor die Feiersaison beginnt, statt aus schlechtem Gewissen danach.
Hinzu kommt die Jahreszeit selbst. Die Abende werden kühler, Kerzen kehren zurück auf den Tisch, und der Gaumen verlangt nach Herberem und Tieferem: Wacholder, Hopfen, feine Bitternoten, Gewürze. Der Herbst schmeckt nach Struktur und Charakter, und dafür braucht es keinen Alkohol.
Unser Klartext
Der Sober October ist kein Monat der Buße, sondern eine Einladung, den eigenen Geschmack neu zu justieren, ohne Bewertung und ohne Pflichtprogramm. Wer danach wieder ein Glas Wein genießt, hat nichts falsch gemacht. Vielleicht trinkt man es nur bewusster. Alles in allem braucht es nicht immer einen Anlass, um seinem Körper etwas Gutes zu tun. Und trotzdem ist es immer schöner, wenn es auch hier Solidarität gibt und wir Dinge nicht alleine tun. Wir finden: wie mit allem sollten sich Dinge in der Waage halten.

Unsere Sorte der Saison ist übrigens JUNIPER: markant und wie gemacht für die kühleren Abende mit Noten von Wacholder, Tonka und Aronia. Wer den Oktober zum Ausprobieren nutzen möchte, findet dort einen guten Einstieg. Und wir werden euch gerne diesen Monat mit Tipps und Perfect Serves begleiten.
Cheers!
Quellen:
- Die Ursprungsidee stammt von der australischen Organisation Life Education, die 2010 mit „Ocsober" Spenden sammelte, während der Name „Sober October" Macmillan Cancer Support zugeschrieben wird. (thezeroproof.com) The Zero Proof
- alcoholrehabhelp.org
- sambarecovery.com
- awarenessdays.com
- Podcaster wie Joe Rogan machten Sober October in den USA als Fitness- und Wellness-Challenge populär. (betterrhodes.com)